-Geothermiekraftwerks (GK) in Brühl - Kann GeoEnergy die Bedenken der Bürger in Brühl, Ketsch und Umgebung ausräumen?!?
Die Betreiberfirma GeoEnergy bemüht sich durch unterschiedliche Aktivitäten die Bürger in Sicherheit zu wiegen. Aufgrund der Komplexität des Themas ist es für den Einzelnen sehr zeitaufwändig und schwierig hinter die Kulissen zu blicken. Wer verfolgt auch schon im Detail die Geschehnisse an den unterschiedlichen Geothermie-Standorten?
Wir möchten den Blick der Bürger über den bereits bekannten Themenkreis der Gebäudeschäden hinaus weiterlenken und Sie bitten, die nachfolgenden Punkte zu durchdenken und sich erneut die Frage zu stellen: Müssen wir diese unterschiedlichen Risiken die durch das Errichtung eines GKs entstehen, eingehen? Wie gelingt es uns, der Fremdbestimmung über unsere Gesundheit, unser Wohneigentum, unseren Werten und unserer Wohnqualität entgegenzutreten?
Überlegung 1 – Inhaltstoffe Thermalwasser / Thermaldampf
Einwände der Bürger zur Gesundheitsgefährdung mögen von den Verantwortlichen als überzogen abgetan werden. Zu diesem Thema auszugsweise folgende Information aus der Einsichtnahme eines Gutachtens der Bürgerinitiative (BI) Landau beim Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB-RLP) am 03.03.2011: Seit Anfang 2010 weist die BI Landau auf die möglichen Gefahren und Risiken durch die Inhaltstoffe im austretenden Thermalwasser hin. Beim Probebetrieb in Insheim im April 2010 roch der Dampf nach Terpentin oder Teer. Anwohner, bei denen der Dampf über den Boden zog, mussten ihren Garten verlassen. Seit Inbetriebnahme 2008 können in Landau mehrere 10.000 Tonnen möglicherweise belasteter Thermalwasserdampf ausgetreten sein. Anfang 2010 berichtete der Betreiber des GK Landau, dass der Wasserdampf absolut rein sei (Quelle: Rheinpfalz, 11.02.2010). Wenige Wochen später räumte der Geschäftsführer der geox GmbH, Herr Hauffe ein, auch radioaktive Bestandteile können enthalten sein, seien aber vernachlässigbar (Quelle: Rheinpfalz, 27.03.2010). Bei der Info-Veranstaltung in Haßloch am 15.11.2010 überraschte die Information, das LGB untersuche zur Zeit die Inhaltsstoffe. Zitat: „Die Problematik sei doch größer als angenommen“.
Überlegung 2 – Droht GK Brühl auch die Insolvenz?
Hier möchten wir den Vergleich zu dem Landauer GK mit der Betreiberfirma geox ziehen und die Frage zu einem möglichen Ausbleiben der Rentabilität für GeoEnergy aufwerfen. Die Hauptversammlung des Energieversorgers Pfalzwerke informierte bei der Hauptversammlung im Mai 2011 zum Umsatz- und Gewinnrückgang des vergangenen Jahres. Sorgen bereite die 50-prozentige Tochter der Pfalzwerke geox, die das Landauer GK betreibt. Die Erträge des Kraftwerks reichen derzeit nicht für die Bedienung beziehungsweise Tilgung der Kredite aus, die für die Investition in das Kraftwerk aufgenommen worden waren. Dies sei auf die verschärften Auflagen der Landesbehörden nach kleineren vom GK ausgelösten Beben, zurückzuführen. Die Anlage kann demzufolge nur im verminderten Betrieb laufen und die errechneten Erträge werden nicht erreicht. Das Vorstandsmitglied Werner Hitschler forderte, alle an der Finanzierung des Projektes beteiligten Partner, neben den Pfalzwerken also auch Banken und das Land, müssten einen Beitrag zur Entschuldung von geox leisten. Das Land hat das Geothermieprojekt bereits mit einer Bürgschaft abgesichert. Den zusätzlichen Beitrag des Landes bezifferte er auf 3 Millionen Euro. Insgesamt gehe es um eine Summe von acht Millionen. Im schlimmsten Falle könne es zu einer geordneten Insolvenz von geox kommen (dpa, 04.05.2011). Was ist, wenn GeoEnergy ebenso mit Widrigkeiten zu kämpfen hat und das Kraftwerk mit verminderter Leistung läuft?
Überlegung 3 - Was geschieht mit dem Wert unserer Immobilien und Grundstücke?
Über die „umfangreiche“ Versicherungsabdeckung und die „einfache“ Schadenregulierung durch einen Ombudsmann wurden wir bereits informiert. Aber was ist, wenn es tatsächlich zu Erschütterungen in Brühl kommt? Der Ombudsmann reguliert „kleinere Schäden“. Haben Sie schon einmal weiter gedacht? Was geschieht mit dem Wert Ihrer Immobilien und/oder Grundstück? Was ist, wenn die Quadratmeterpreise sinken? Müssen wir den Werteverlust dann auch „einfach so“ tragen?
Stellen Sie sich selbst einmal die Frage: Würden Sie ohne Sorge nach Landau, Staufen oder Insheim ziehen? Wer möchte denn das Risiko eingehen, sich hier neu anzusiedeln? Vor einer möglichen seismischen Aktivität des geplanten GK Brühl mag dies ja noch nicht von potentiellen Käufern thematisiert werden. Das führt zu weiteren Überlegungen: Informieren Sie den Käufer ihrer Immobilie/ihres Grundstücks zum geplanten GK in Brühl und halten dies vertraglich fest? Käufer, die aus der Region kommen, mögen hierzu informiert sein. Kann arglistige Täuschung unterstellt werden, wenn im Kaufvertrag kein Hinweis auf die Planung eines TiefenGK steht und es tatsächlich zum Schadensfall kommt? Aus juristischer Sicht ist hier kein eindeutiges Ja oder Nein zu bekommen.
Überlegung 4 – Wie rentabel ist die Stromerzeugung durch ein GK?
„Bundesweites Unikat mit Pilotcharakter, nicht CO2-frei und eine wirtschaftliche Pleite“ oder „Das GK in Landau ist so wertvoll wie eine 60 Watt-Glühbirne“ - unter diesem Titel recherchiert Herr W. Freudenmacher näher zur „positiven Bilanz“ von geox hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und CO2-Ersparnis laut einer Veröffentlichung in der Rheinpfalz am 29.12.2010. Auszugsweise möchten wir einzelne Passagen aus der Veröffentlichung wiedergeben:
- das GK verbraucht circa 40 % des erzeugten Stroms sofort für Pumpen und Lüfter etc. selbst
- aus wirtschaftlichen Gründen wird dieser 40%ige Eigenstromverbrauch aus dem Strommix (ca. 625 g CO2/kWh) für ca. 6 Cent zugekauft und nicht der „eigene“ Strom verwendet (Vergütung circa 20 Cent/kWh). Der 40%ige Eigenstromverbrauch wird nachts mit Grundlaststrom gedeckt z.B. Atomstrom und Kohlestrom (ca. 1.000 g CO2/kWh). Durch den günstigen Fremdstrombezug ergibt sich z. Zt. ein wirtschaftlicher Vorteil. Ohne diesen Vorteil wird geox vermutlich in eine (noch stärkere) wirtschaftliche Schieflage geraten (siehe Überlegung 2)
- Kostenvergleich Geothermie-Strom/Wind-Strom: Das Landauer GK erhält für 16 Mio kWh Bruttostrom à 20 Cent/kWh gleich 3,2 Mio € pro Jahr Vergütung. Auf den Nettostrom bezogen sind das 33 Cent/kWh. Mit rechnerisch 3,5 Windrädern in Minfeld und 1/3 der Investitionskosten (ca. 7 Mio. Euro) wird die gleiche Netto-Strommenge von 9,6 Mio. kWh à 8,9 Cent/kWh mit 854.400 Euro vergütet, damit ist Geothermie-Strom ca. 3,75 mal teurer als Windstrom
- Das GK Landau erzeugt für jeden Landauer Haushalt 1,64 kWh/Tag (9,6 Mio kWh/16.000 Haushalte/365 Tage), das reicht gerade für eine 60 Watt-Glühbirne, mehr nicht – und dies ungeachtet der damit verbundenen Risiken
Weitere Informationen zum Thema bietet Herr Werner Freudenmacher, Freckenfeld unter BIGF@online.ms an.
Überlegung 5 - Schadensellipse und das mögliche Schadensfeld
Am 12.04.2011 stellte die Firma GeoEnergy bei der Informationsveranstaltung in der Festhalle Brühl die Fläche Brühl und Umgebung vor, in der im Falle einer durch das GK ausgelösten Seismizität mit Schäden zu rechnen ist. Das mögliche „Schadensfeld“ wurde von der Firma mit einem Kreisradius von 2 KM um die beiden Bohrlandepunkte angenommen. Das Verbinden der Seitenlinien ergibt eine Ellipse mit Nord-/Süd-Ausrichtung. Wesentliche Teile der Orte Brühl und Ketsch sind innerhalb dieses Schadensfeldes; das Schwetzinger Schloss liegt knapp außerhalb des Randes der Zonierung. Vorausgesetzt, ein mögliches Erdbeben hält sich an die Schadensellipse - Wo liegt Ihr Haus?
Zum Zwecke des Monitoring und der Beweissicherung richtet die Firma fünf Messpunkte ein. Warum stehen zwei Seismometer nach der gezeigten Grafik „nur“ am äußersten Rand der Ellipse, die beiden anderen Seismometer liegen gar außerhalb. Einzig das Bohrlochgeophon liegt „fast“ zentral und weitere nicht benannte Messpunkte liegen innerhalb.
Stellen Sie sich die Frage:
1. Liefern die Messpunkte überhaupt verwertbare Aussagen zur Bodenschwinggeschwindigkeit für das gesamte mögliche Schadensfeld (Kiesboden hat im Vergleich zu Lehmkegeln eine andere Schwinggeschwindigkeit)?
2. Ist der unmittelbare Untergrund und sind die tatsächlichen geologischen Verhältnisse bekannt?
3. Wie aussagekräftig ist die Bodenschwinggeschwindigkeitsmessung überhaupt? Ist die Aussage- und Beweiskraft des gesamten Monitorings verwertbar?
Maßgebend bei der Vorhersage und Berechnung von Erdbeben ist die Bodenschwing-geschwindigkeit. Die tatsächlich auftretende Bodenschwinggeschwindigkeit ist sehr stark vom Untergrund abhängig. Am 12.04.2011 hat der eingesetzte Ombudsmann Herr Damian sowie Herr Diekmann vom Ingenieurbüro DFI aus Viernheim in der Festhalle selbst klargestellt, dass der Untergrund in Brühl, Ketsch und Umgebung durch ehemalige veränderte Bach- und Flussläufe bzw. den Lehmabbau durchaus lokal variiert und nicht nur aus Kies besteht.
Das Bergamt Freiburg und die Landauer Expertengruppe raten zu einer Mikrozonierung. Die BI Brühl hat am 05.05.2011 erneut beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Bergamt) in Freiburg schriftlich angefragt, ob dies für Brühl und Umgebung vorgesehen ist bzw. zur Auflage gemacht wird. Die Antwort steht noch aus.
Überlegung 6 – Wie zufrieden sind Sie mit unserer Gemeindeführung?
Bei aller Fachinformation zum Pro und Contra der Thematik Geothermie und deren Risikoabwägung: Ein offener und ehrlicher Umgang miteinander hätte die Problematik lenkbarer machen können. Es ist offensichtlich, dass die Gemeindeführung vor dem positiven Entscheid zum Bau eines GKs in Brühl zu wenig recherchiert und die Bürger nicht ausreichend einbezogen hat.
Das Risiko auf die Schultern der Bürger zu laden und unbeirrt den eingeschlagenen Weg zu verfolgen ist ebenso verwerflich wie ein GK mit Schadensfall!
Es ist nicht verwunderlich, dass die Bürger unserer Nachbargemeinde Ketsch sich vermehrt über die Haltung der Brühler Gemeindeführung verärgert zeigen. Der Schadensfall macht voraussichtlich nicht an der Ortsgrenze halt. Es ist die Meinung vieler Bürger, dass spätestens beim Lautwerden von kritischen Stimmen ein ehrliches und demokratisches Einlenken hätte erfolgen sollen. Ein proaktives Handeln im Sinne der Sorgfaltspflicht für die Bürger von Brühl, Ketsch und Umgebung -nicht für den Vertragspartner GeoEnergy- ist schon lange Zeit erforderlich.
Das Vertrauen in die Brühler Gemeindeführung ist bei vielen Bürgern nachhaltig erschüttert – unabhängig vom möglichen Schadensfall des geplanten GK Brühl!
FAZIT
Viele Risiken werden an den einzelnen Bürger übertragen. Beim derzeitigen Stand der Technik und des Wissens kann die Nutzung der tiefen Geothermie nicht vorbehaltlos als Lösung für bestehende Energieprobleme empfohlen werden, sodass sie bei Energiekonzepten aus raum- und umweltplanerischen Sicht derzeit keine Berücksichtigung finden sollte.
Es bestehen bis auf weiteres Bedenken bei den nachfolgenden Punkten:
- Gesundheitsgefährdung
- Folgeschäden für Umwelt (Auskühlung des Untergrundes; Auswirkung auf Grundwasser etc.)
- Effizienz & Wirtschaftlichkeit
- Werteverlust der Immobilien und Grundstücke
- unzureichende Informationspolitik
Die Verhältnismäßigkeit dieser Technologie hinsichtlich Risiko und Nutzen ist absolut nicht gegeben und macht zum heutigen Stand der Wissenschaft den Standort Brühl überflüssig. Es muß zuerst Klarheit über die Gefahren, Folgen und deren Vermeidung geschaffen werden.
Achten Sie bitte auf Pressemitteilungen in der Schwetzinger Zeitung / örtlichen Rundschau zu weiteren Informationen oder Informationsveranstaltungen oder nehmen Sie Kontakt zur Bürgerinitiative Brühl auf.
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Wir sind eine Gruppe interessierter Brühler und begrüßen Sie herzlich!
Unsere Interessen sind:
zu INFORMIEREN
viele Mitbürger wissen nicht um den Stand des Baus des Geothermiekraftwerkes in Brühl. Einige vermuten einen Zusammenhang mit der Fernwärmetrasse nach Speyer. Hier sehen wir die Notwendigkeit Aufklärung zu betreiben
ABZUWÄGEN
sicherlich ist die Geothermie einen interessante Energie resource, allerdings mit vielen dramatischen Risiken behaftet. Vorfällen in anderen Projekten unterstreichen diese Risiken und da entsteht die Frage eines solchen Vorhabens direkt an der Wohngebietsgrenze und der Schule
zum jetzigen Zeitpunkt GEGEN den Bau des Geothermiekraftwerkes zu simmen
Bürgerinitiative (BI)
Wir sind Brühler Bürger, die sich zusammengeschlossen haben, um die Lebensqualität in Brühl und Umgebung für uns und unsere Kinder zu erhalten.
Wir wehren uns dagegen, dass Brühl bei hohem Risiko für den Ort und seine Bewohner der Geothermiewirtschaft dienen soll.
Geplant ist ein Erdwärmekraftwerk, mit dem nur Strom, jedoch keine Fernwärme erzeugt werden soll. Der Bau und Betrieb eines solchen Kraftwerks verursacht Dauerlärm und lokale Abwärme. Zudem besteht das Risiko eines ortsnahen Erdbebens mit vielfältigen möglichen Auswirkungen (z. B. Gebäudeschäden, Risikolagen Firmenverlagerung und Trinkwassergefährdung).
Mit unseren kurzen, aktuellen Informationen wollen wir Informationen geben, die jeden von uns angehen um unsere Heimat, Umwelt und Gesundheit zu schützen.
Wenn Sie Fragen haben, nehmen Sie gern Kontakt info@geothermie-bruehl.info zu uns auf!